Wednesday, December 03, 2014

Das Geheimnis von Bromford - Teil 3


Später an diesem Abend trete ich auf dem Weg in die Waschküche im Keller mit einem Korb voller Schmutzwäsche aus dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss der Whitaker Lane 666.

Sir Nicolas de Noelle, beeindruckender Weißbartträger und Besitzer und Bewohner von Apartment 6 im dritten Stock rechts, kommt mit einem Stapel Adventskarten von den Postkästen her auf mich zu. Er trägt wie immer seinen roten Hausmantel mit weißen Aufschlägen und eine qualmende Meerschaumpfeife im Mundwinkel. Er hält mir kurz die Kellertür auf und nickt dann die Stufen hinunter.

"In Deinem Kellerabteil brennt seit Tagen Licht, Bromford Bibble, der Mann, der heißt wie die Stadt", sagt er mit einem eigentümlichen Zwinkern in den Augen.

Da ich mich nun mit meinem Wäschekorb in den Spalt zwischen Tür und Türrahmen gestemmt habe, dreht Sir Nicholas sich um, und ich habe Mühe seine letzten Worte zu verstehen, die er fast geflüstert vor sich hin murmelt, während er mir den Rücken zudreht und sich in seinen Karten wühlend Richtung Fahrstuhl von mir entfernt:

"Das Geheimnis von Bromford wird in zweiundzwanzig Tagen enthüllt werden."

Tuesday, December 02, 2014

Das Geheimnis von Bromford - Teil 2


"Was ist das Geheimnis von Bromford?" fragt das Lama.

"Weiß ich doch nicht", zucke ich mit den Schultern.

"Aber laut BlockBlog-Überschrift ist das hier schon der zweite Teil. Und der Pinguin, den Du gestern einfach so aus dem Ärmel geschüttelt hast, erwähnte auch etwas in der Richtung. Ist das eigentlich der Pinguin aus den Känguru-Chroniken? Wird er jetzt mein großer Antagonist, so wie er es im Laufe der Jahre und der Bücher und der Podcasts von Marc-Uwe und so für das kommunistische Känguru wurde?"

"Ich könnte nicht ahnungsloser sein."

"Boah!" schnaubt das Tier. "Was weißt Du denn überhaupt? Und ist das jetzt hier nun der obligatorische BlockBlog-Adventskalender?"

"Ich habe absolut keine Ahnung", sage ich und dann noch, ohne es zu wollen:

"Das Geheimnis von Bromford wird in dreiundzwanzig Tagen enthüllt werden."

Monday, December 01, 2014

Das Geheimnis von Bromford - Teil 1

SPEEDY'S
SANDWICH BAR & CAFÉ
BREAKFAST • LUNCH • PASTA

"Kannst Du heute mal bezahlen?" fragt das Lama nach dem Essen.

Wir sitzen zwischen vorweihnachtlicher Dekoration in Speedy's Sandwich Bar & Café und essen Spaghetti mit grüner Soße. Unser Kellner ist heute ein langer, dünner blässlicher Typ mit dunklen Haaren und stechenden Augen in einem dicken Wollmantel mit hochgeschlagenem Kragen. Von dem Besitzer des Cafés, dem kleinen, mausartigen Speedy, seinem Schnurrbart und dem auffälligen Sombrero keine Spur.

"Heute?" frage ich. "Mal?" frage ich. "Ich muss immer bezahlen, weil Du nie Geld mitnimmst."

"Tja", sagt das Lama lächelnd. "So ist das in der Welt. Der eine hat den Beutel, der andere hat das Geld."

Damit spielt es auf den Jutebeutel an, den es immer über der Schulter trägt. Aber wem will ich hier eigentlich etwas vormachen? OK, ich gebe es zu: Ich plagiiere hier mal wieder den Marc-Uwe Kling und was das Lama sagt, sagt eigentlich das kommunistische Känguru und was der Ich-Erzähler, also der Bromford, also ich sage oder sagt und tut oder tue, sagt und tut eigentlich der andere Ich-Erzähler, also der Kleinkünstler, also der… Sie wissen schon, was ich meine…

"Ja, aber vielleicht hat der andere irgendwann keine Lust mehr, den einen durchzufüttern."

"Welcher andere?" fragt das Lama.

"Na ich!" sage ich.

"Ach Du immer mit Deinem ich. Ich, ich , ich, ich, ich. Wie in Deinen Geschichten: Ich wache auf. Ich gehe ans Telefon. Ich fahre Bahn. Ich sage, ich frage, ich denke, ich will."

"Willst Du damit kritisieren, dass ich nur Ich-Erzähler-Geschichten schreibe?"

"Nein, nein", sagt das Lama. "Jeder wie er's kann. Das ist halt am einfachsten."

"Ich könnte auch die Erzählperspektive wechseln", sagte Bromford aufgebracht. "Jetzt bist Du der Erzähler."

Ich schüttelte den Kopf, steckte heimlich den Aschenbecher des Restaurants in meinen Beutel und sagte: "Das ändert doch nichts. Immer noch schreibst Du als Ich-Erzähler."

Bromford stutzte.

"Kein Problem. Kein Problem", sagte er dann. "Allwissender Erzähler."

Die Kritik an seinem Werk hatte die Aufmerksamkeit des braunhaarigen, mittelgroßen Mannes so in Beschlag genommen, dass ihm darüber entging, dass das Lama, welches in naher Zukunft eine böse Überraschung erleben würde, einmal mehr geschickt das Thema gewechselt hatte, um von seinen eigenen – finanziellen – Unzulänglichkeiten abzulenken.

"Moment mal!" ruft Bromford. "Du willst doch hier bloß ablenken."

Aber das Lama hatte das Restaurant schon längst unauffällig verlassen.

Lange noch saß Bromford an seinem Tisch, dachte über das Geschehene nach und verfluchte seinen Kompagnon. Er konnte ja nicht wissen, dass das Lama in diesem Moment auf der Straße von einem Bus, nein, einem Truck, einem 40-Tonner, dessen übermüdeter Fahrer immer wieder in Sekundenschlaf verfiel…

"Untersteh Dich!" rief das Lama, welches plötzlich wieder zur Tür reinstürmte und zehn Euro auf den Tisch knallte.

"Hier! Und jetzt lass diesen 'allwissend, allmächtig'-Scheiß."

" 'Okay', sage ich", schrieb Bromford. Aber in Wahrheit hatte er Blut geleckt. Die nächste Geschichte würde er aus der Perspektive eines Aschenbechers schreiben. Eines heldenhaften Aschenbechers in Gefangenschaft eines heimtückischen Paarhufers.

***********

Und irgendwo in einem Verlies tief unter der Whitaker Lane 666 sitzt ein Pinguin in einem großen, weißen Ledersessel, streichelt mit seiner schwarzen Flosse eine weiße Perserkatze und murmelt vor sich hin:

"Das Geheimnis von Bromford wird in vierundzwanzig Tagen enthüllt werden."